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TOEFL Speaking: Vorlagen für alle vier Aufgaben

Zwischen dem Moment, in dem du eine TOEFL-Speaking-Aufgabe liest, und dem Moment, in dem du darüber reden musst, liegen fünfzehn Sekunden. Fünfzehn Sekunden reichen nicht, um eine Antwort und eine Struktur zu erfinden. Also bringst du die Struktur schon mit und steckst diese Sekunden nur noch in Ideen.

Mehr ist eine Vorlage nicht. Kein Skript zum Aufsagen, sondern eine Form, in die du deinen eigenen Inhalt gießt. Gut genutzt, entscheidet sie darüber, ob du deinen Gedanken bei Sekunde 44 zu Ende bringst oder bei 30 versandest. Schlecht genutzt, ist sie der schnellste Weg, wie vom Band zu klingen und genau die Punkte zu verlieren, die sie holen sollte.

Hier ist für jede der vier Aufgaben ein Gerüst, ein ausgefülltes Beispiel dazu – und die Grenze, die du nicht überschreiten solltest.

Zuerst das Wortbudget

Vorlagen scheitern, wenn sie deine Zeit auffressen. Bevor du dich für eine entscheidest, solltest du ungefähr wissen, wie viel Sprache in das Zeitfenster passt, wenn du ruhig und deutlich sprichst:

AufgabeVorbereitungSprechenUngefähr
1 – eigenständig15 Sek.45 Sek.110–130 Wörter
2 – Text + Gespräch30 Sek.60 Sek.150–170 Wörter
3 – Text + Vorlesung30 Sek.60 Sek.150–170 Wörter
4 – Vorlesung20 Sek.60 Sek.150–170 Wörter

Das sind etwa sechs bis acht Sätze für Aufgabe 1 und acht bis elf für die integrierten Aufgaben. Eine Vorlage, deren erste Zeilen 20 deiner 130 Wörter für „Well, that is a really interesting question, and personally I would have to say that…“ verbraten, kostet dich schon ein Drittel deines ersten Arguments. Spar dir das Vorgeplänkel. Wenn du noch unsicher bist, was die einzelnen Aufgaben verlangen oder wie die Wertung von 0 bis 30 entsteht, fang hier an und komm dann zurück.

Aufgabe 1 – die eigenständige Aufgabe

Das Gerüst

I would choose [option], for two reasons. First, [reason one]. For example, [one specific detail — a person, a number, a moment]. Second, [reason two]. In my case, [one short example]. That is why I prefer [option].

Vier Schritte: Position beziehen, Grund mit Beispiel, Grund mit Beispiel, Schluss. Kein Vorspann, keine Zusammenfassung der Frage.

Ausgefüllt – Do you prefer studying alone or in a group?

I would choose studying alone, for two reasons. First, I control the pace. When I studied for my licensing exam last year, I could spend a whole evening on one chapter without slowing anyone down. Second, I get distracted easily in groups. My study group in university usually turned into a two-hour conversation about football. So for real progress, I prefer studying alone.

Das sind 78 Wörter – die passen locker in 45 Sekunden, mit Luft zum langsamen Sprechen.

Wenn dir kein zweiter Grund einfällt, such nicht schweigend danach. Vertief den ersten und häng an, was daraus folgt („and because of that, I finish material about twice as fast“). Eine Antwort mit einem gut ausgebauten Grund wird besser bewertet als zwei dünne mit einem Zehn-Sekunden-Loch in der Mitte.

Aufgabe 2 – Text plus Gespräch

Du liest eine kurze Campus-Ankündigung oder einen Vorschlag und hörst dann zwei Studenten darüber diskutieren. Deine Aufgabe ist, die Meinung einer der beiden Personen und ihre Gründe wiederzugeben – nicht deine eigene.

Das Gerüst

The university plans to [change from the reading], because [the stated reason]. The man / woman [agrees / disagrees] with this plan. His / Her first reason is that [reason one, with the detail he or she gave]. He / She also points out that [reason two, with its detail].

Ausgefüllt

The university plans to close the north dining hall on weekends, because very few students eat there on Saturdays and Sundays. The woman disagrees with this plan. Her first reason is that the north hall is the only one near the science dormitories, so students there would have to walk fifteen minutes in winter for a meal. She also points out that the survey behind the decision was taken during exam week, when most students were eating at home, so it does not show normal weekend demand.

Beachte: Nirgends steht ein „In my opinion“. Der häufigste Fehler bei Aufgabe 2 ist, in den letzten zehn Sekunden in die eigene Sicht zu rutschen. Die Prüfer wollen wissen, ob du verstanden und wiedergegeben hast – sobald du argumentierst, beantwortest du eine andere Frage.

Aufgabe 3 – Text plus Vorlesung

Gleicher Aufbau, akademischer Inhalt. Der Text definiert einen Begriff, die Vorlesung liefert Beispiele, die ihn veranschaulichen.

Das Gerüst

The reading explains [term], which is [one-sentence definition]. The professor illustrates this with [example / experiment / story]. [What happened — the concrete sequence]. This shows [how the example demonstrates the term].

Ausgefüllt

The reading explains diminishing returns, which means that adding more of one input eventually produces smaller and smaller gains. The professor illustrates this with a bakery. When the owner hired a second baker, output nearly doubled because the two could split mixing and baking. But the fourth and fifth bakers added almost nothing, since they were waiting for the same two ovens. This shows that once a fixed resource is saturated, extra workers stop adding value.

Steck den Großteil deiner sechzig Sekunden in das Beispiel, nicht in die Definition. Ein sauberer Definitionssatz genügt. Wiedergeben sollst du die Veranschaulichung des Professors, und genau dort holst du die Punkte für die Themenentwicklung.

Aufgabe 4 – die Vorlesung für sich allein

Kein Text. Ein Professor stellt ein Konzept vor und fast immer zwei Beispiele oder zwei Aspekte dazu. Deine Antwort folgt genau dieser Zweiteilung.

Das Gerüst

The lecture is about [concept], which is [brief definition from the professor's own words]. The professor gives two examples. The first is [example one, with its detail]. The second is [example two, with its detail]. Together they show [the point the professor was making].

Bringt der Professor statt zwei Beispielen ein einziges langes, teil es nach Phasen auf: „First he describes what happens when… Then he explains the result…“ Die Vorlage biegt sich, der zweiteilige Rhythmus bleibt.

Die Grenze, die du nicht überschreiten darfst

Ein Gerüst besteht aus ein paar Verbindungswörtern. Eine Antwort nicht.

Prüfer hören Hunderte von Antworten. Wenn jemand mit einem flüssigen, geschliffenen Satz einsteigt und dann ins Stocken und in Fehler abrutscht, fällt das sofort auf, und der Bruch wirkt aufgesagt statt gekonnt. Noch schlechter sind ganze Antworten, die jemand von einer Vorbereitungsseite auswendig gelernt hat: Sie passen an kleinen Stellen nicht zur Aufgabe, weil sie für eine andere Aufgabenstellung geschrieben wurden.

Drei Gewohnheiten sorgen dafür, dass du diese Grenze nicht überschreitest:

  • Lern nie Inhalte auswendig, nur Verbindungswörter. „For two reasons“, „she also points out that“ und „together they show“ darfst du immer wieder verwenden. Ganze Sätze über eine erfundene Lerngruppe nicht.
  • Variier den Anfang. Wenn jede deiner Antworten mit denselben elf Wörtern beginnt, tausch drei davon aus. „I would choose X“, „For me it is clearly X“ und „X, without much hesitation“ leisten dasselbe.
  • Klinge durchgehend wie du selbst. Sprich das Gerüst in dem Tempo, in dem du wirklich redest. Eine Vorlage, die du schneller herunterrasselst als den Rest deiner Antwort, verrät sich von selbst.

Mach das Gerüst automatisch – und vergiss es dann

Eine Vorlage zahlt sich erst aus, wenn du nicht mehr über sie nachdenken musst – wenn die Vorbereitungssekunden komplett in das Was gehen, weil das Wie längst feststeht.

Dafür braucht es lautes Wiederholen, nicht Aufschreiben. Zieh dasselbe Gerüst in einer Sitzung durch fünf verschiedene Aufgabenstellungen. Beim fünften Mal kommen die Verbindungswörter von allein, und deine Ideen werden schärfer – weil nur noch sie zum Nachdenken übrig sind. Ist die Sprechweise die Schwachstelle – das Tempo, die Pausen an seltsamen Stellen –, bringt dich die Shadowing-Technik dort schneller voran als noch mehr Sprechübungen, und die größeren Gewohnheiten hinter einer flüssigen Antwort baust du am besten parallel auf.

Das Schwerste am Alleineüben ist, den Druck nachzustellen. Allein pausierst du den Timer, nimmst einen misslungenen Versuch noch einmal auf und drückst beide Augen zu. Lingaira führt dich durch Aufgaben im TOEFL-Stil mit der echten Uhr, transkribiert, was du gesagt hast, und gibt dir Feedback zu Sprechweise, Sprachgebrauch und wie vollständig du geantwortet hast – so hörst du, ob das Gerüst deine Ideen trägt oder sie ersetzt.


Schreib deine vier Gerüste auf eine einzige Karte. Üb sie, bis die Karte langweilig ist. Dann leg sie weg und sprich – denn am Prüfungstag soll die Vorlage nicht zu hören sein. Sie soll nur der Grund dafür sein, dass dir nie auf halbem Weg die Worte ausgehen.

Mach jetzt eine zeitlich getaktete Aufgabe auf Lingaira – und lass den ersten Versuch holprig sein.